ochskopf Narrenzunft Moorochs e.V. Bad Buchau

Rübengeistern anstatt Rübengeisterumzug 2020
Rübengeister machen auch ohne Umzug Spaß






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Rübengeistern anstatt Rübengeisterumzug 2020
Rübengeister machen auch ohne Umzug Spaß

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Hanna, Annika und Jonathan bereiteten dem Ehepaar Anton und Hilde Dreher
in Kappel eine Freude mit ihren Rübengeistern (Foto: Laura Grimm)

Zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten gab es am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit in Bad Buchau keinen Rübengeisterumzug. Aufgrund der Covid-19-Pandemie konnten nicht wie üblich Familien mit ihren Kindern und selbstgeschnitzten Rüben durch Buchaus Straßen laufen. Der Umzug, der von der Narrenzunft Moorochs organisiert wird, musste leider abgesagt werden.

Die Tradition sollte aber trotzdem stattfinden und deswegen überlegten sich die Verantwortlichen ein Ersatz-Programm. Die Zunft wollte gerade in dieser schwierigen Zeit an Tradition und Brauchtum festhalten und vor allem auch den Kindern eine Freude machen. Die Moorochsenzunft wollte den Familien und Kindern die Möglichkeit geben, auch ohne Umzug auf die Straßen zu gehen und orientierte  sich an den Wurzeln der alten Tradition, denn Rübengeistern ist ein uralter schwäbischer Brauch, der auch ohne Umzug und Menschengruppen auskam. Kleine Gruppen liefen damals von Haus zu Haus und bekamen für ihre kunstvoll geschnitzten und mit Kerzen ausgeleuchteten Rüben Süßigkeiten zugesteckt. Dieses schwäbische Brauchtum hat absolut nichts mit Halloween zu tun.  Hier werden keine Kürbisse ausgehöhlt sondern Futterrüben. Diese wurde früher als Winterzusatzfutter auf Bauernhöfen verwendet.

Große Nachfrage nach Rüben

Es wurden 180 Rüben zur Verfügung gestellt und man überlegte schon, ob es nicht zu viele sind. Aber diese Sorge war unbegründet, denn die Rüben wurden alle ausgegeben.  Vier von den 180 Rüben gingen an die Familie Küfner aus Kappel. Die drei Kinder freuten sich schon lange auf das Rübenschnitzen und waren voller Eifer dabei, ihre Rüben mit gruseligen und lustigen Gesichtern zu versehen. „Mama hat ein bisschen mitgeholfen, aber vieles haben wir auch alleine gemacht“, erklärt die sechsjährige Annika stolz. In der Schule und den Kindergarten haben die Kinder von ihren Rüben geschwärmt und die anderen mit ihrer Begeisterung angesteckt. Leider waren die 180 Rüben dann sogar zu wenig und es gab traurige Gesichter ,als einige am Ende leider keine ausgehöhlte Rübe mehr abbekamen. So auch ein Kind aus Küfners Nachbarschaft. Kurzerhand schnitzten die drei eine vierte Rübe und schenkten diese dem Nachbarsjungen, der sogar länger aufbleiben durfte, um seine leuchtende Rübe in Empfang zu nehmen.

Für Hanna, Annika und Jonathan gehört das Rübenschnitzen zum Herbst dazu und sie waren auch die letzten Jahre mit ihren Eltern auf dem Umzug. Ein wenig trauern Hanna und Annika dem Umzug hinterher, denn dort gäbe es immer so viele tolle Rüben und das sei einfach spannender, erklärten sie. Aber nichtsdestotrotz hatten sie großen Spaß dabei, abends von Haus zu Haus zu gehen und ein Sprüchlein aufzusagen. „Wir sind die Rübengeister und kommen von weit her, wir bitten um eine Gabe, dann danken wir euch sehr“, riefen sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Der vierjährige Jonathan hatte aber noch eine zweite Version. Den zweiten Teil des Sprüchleins ersetzte er einfach durch „Wir sind die Polizei und die Feuerwehr ist hier“ und brachte damit alle zum Lachen.

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Die drei Kinder klingelten auch bei Anton und Hilde Dreher  im Stadtteil Kappel. Die beiden Senioren freuten sich sichtlich über den Besuch der Rübengeister und hatten für die Kinder natürlich auch ein paar Süßigkeiten parat. 

Bis ins Jahr 1992 hätten sie selber noch eine Landwirtschaft gehabt und auch Rüben angebaut, so der 93-jährige Anton Dreher. Er kann sich noch gut erinnern, wie früher die Kapplemer Buben bei ihm Rüben holten, um Rübengeister zu schnitzen. Beide Familien wohnen schon viele Jahre in derselben Straße und sogar Mama Stephi hat in ihrer Kindheit schon beim Ehepaar Dreher geklingelt und stolz ihren Rübengeist gezeigt.

Trotz dem durchweg positiven Feedback zu Rübengeistern hoffen natürlich alle, dass es in Zukunft wieder einen Umzug geben kann.

Text und Bilder:  Schwäbische Zeitung - Laura Grimm






Letzte Bearbeitung 03. Oktober 2020